Ich würde so gern mal nach Japan fahren. Am besten zur Kirschblütenzeit. Ein Volk, dass sich im Ausnahmezustand befindet, wenn die Zierkirschen blühen und zu liebevoll angelegten Hainen pilgert und Gedichte über am Boden liegende Blütenblätter schreibt ist mir grundsätzlich sympathisch. Sie sehen das kleinste Schönste in der Natur.
Hätte ich eine Stimme, würde ich für sie singen – fallende Kirschblüten. (von Matsuo Bashō, siehe unten)
Seufz!

Da ich sehr praktisch und sparsam veranlagt bin fand ich meinen persönlichen Weg. Ich plante den Erwerb von japanischen Zierkirschen. Wenn man die Kosten eines Flugtickets nach Japan zu Grunde legt, gäbe es sicher einiges an Baum. So argumentierte ich bei meinem Mann. Bei sorgfältiger Planung sollte ein Kirschblüten Hanami (bedeutet in Japan Blumen, oder Blüten schauen) über sechs Wochen möglich sein. Da die meisten Sorten maximal 14 Tage blühen, müssten es mehrere verschiedene Gehölze sein, um eine grandiose Wirkung zu erreichen. Den Beginn macht Prunus yedoensis (japanische Maienkirsche). Blüht etwa ab April mit einfachen weißen Blüten. Die Haustiere unseres imkernden Nachbarn lassen den Baum leise summen und bereits nach 5 Jahren blühte der Baum so üppig, dass er bei uns nur den Spitznamen Schneegestöber hat. Zugegebenermaßen war er der teuerste in der Anschaffung. 125 Euro. Aber dafür esse ich in Tokio wahrscheinlich nur dreimal zu Mittag.

Als nächstes sollte Prunus subhirtella „Accolade“ (frühe Zierkirsche Accolade) blühen, rosa halb gefüllt. Bietet aber dennoch Insekten Nahrung. Leider verträgt sie keinen Frost. Und ja diese Dame hält sich nicht ganz an den Zeitplan, was heißt sie blüht zeitgleich mit yedoensis. Meine 6 Wochen schrumpften ein wenig.
Es schließen sich Prunus cerasifera „Nigra“(rotblättrige Blutpflaume) in rosa und ein weißblühender Ableger derselben an. Die Früchte dieser Art verarbeiten wir gerne zu einem Gelee, alle anderen Kirschen bilden keine Früchte aus. Na, das sind doch gute Nachrichten für alle Ordnungsfanatiker.
Prunus serrulata „Kanzan“(Nelkenkirsche) mit dicken gefüllten, leider für Insekten nutzlosen Blüten (der blüht halt nur für mich) macht mit Malus floribunda „Hiilierii“ (Pink blühender Zierapfel) den Abschluss. Die beiden blühen so grandios, dass meine Nachbarin völlig außer Atem zu mir in den Garten gelaufen kam ( weit fortgeschrittene Schwangerschaft) und sofort wissen wollte, wie diese Bäume heißen, da sie sowas auch im Garten haben möchte.

Zierkirschen haben meist tiefgehende Wurzeln und kommen so gut mit Trockenheit zurecht, wenn sie eingewachsen sind. Man kann sie daher auch gut mit Schattenstauden unterpflanzen. Obwohl nicht heimisch werden sie von Insekten gerne besucht. Sie wachsen recht rasch und können daher günstig als kleinere Pflanzen erworben werden. Leider haben die Zierkirschen nur eine Lebenserwartung von 20 bis 50 Jahren, aber ich befinde mich ja auch schon in meinem letzten Lebensdrittel. Und ja ein oder zwei Kirschbäume stehen noch auf meiner Wunschliste. Das Flugticket ist noch lange nicht ausgereizt.
Servus
eure Gitti
Matsuo Bashō, eigentlich Matsuo Munefusa, (1644 – 1694) war ein japanischer Dichter. Er gilt als bedeutender Vertreter der japanischen Versform Haiku.
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